Früher habe ich mit Ton gearbeitet. Heute male ich auf Holz – und wie es vom Ton zum Holz kam, das erzähle ich Dir gern. Es beginnt mit nassen Händen an der Töpferscheibe und endet (vorläufig) mit einer verwitterten Eichenbohle aus unserem Garten.
Meine Zeit mit dem Ton
Ton schlagen, bis die Luftblasen verschwunden sind. Das klingt archaisch – und das ist es auch. Wer töpfert, weiß: ohne das Schlagen und Kneten bleiben Luftblasen im Ton, und dann kann das Werkstück beim Brennen platzen. Also: schlagen, kneten, schlagen. Danach das Freihanddrehen auf der mit den Füßen betriebenen Töpferscheibe – so wurde jahrhundertelang gearbeitet: unten die Schwungscheibe, oben der Scheibenkopf, dazwischen ich. Versuche in Gebrauchskeramik , später erste Reliefs und Plastiken. Ich habe mit Glasuren experimentiert, mich gefreut, mich geärgert, wieder gefreut.
Eine erfüllende Zeit. Wirklich.
Und doch – warum habe ich den Ton an die Seite gelegt?
Irgendwann war mir Ton – ob weiß, rot oder schwarz, grobkörnig oder fein – zu kalt, zu schwer und zu nass. Tone gibt es in vielen Farben und Körnungen, aber eines haben sie gemeinsam: Arbeitston muss feucht bleiben, sonst wird er rissig. Also immer diese kühlen, nassen Hände. Das klingt vielleicht undankbar gegenüber einem Material, dem ich so viel verdanke. Aber ich habe gelernt, diesem Gefühl zu vertrauen.
Vom Ton zum Holz – eine Eichenbohle verändert alles
Wie kam es dazu, dass ich seit einigen Jahren nur noch mit und auf Holz arbeite?
Bei Arbeiten im Garten fand mein Ehemann eine ziemlich verwitterte Eichenbohle und überreichte sie mir als Geschenk. Mit den Worten: Da kannst du sicher was mit machen.
Ratlosigkeit. Erst mal. Die Bohle schaute mich an, ich schaute sie an. Noch nicht.
Und dann – tatsächlich – entstand meine erste Stele. Leuchtend intensive Farblinien auf altem, würdevollen Eichenholz. Der Titel: „Oma Bärbela mit Hut und Affe“. Von da an arbeite ich nur noch auf Holz.
Was das Holz mir seither alles erzählt, davon habe ich in Was das Holz mir erzählt schon einmal geschrieben.
Warum fühlt sich Holz so warm an?
Im Gegensatz zu Ton fühlt sich Holz warm an. Das ist keine Einbildung – aber auch keine Zauberei. Holz ist gar nicht wärmer als Ton oder Metall. Es fühlt sich nur so an: wegen seiner geringen Wärmeleitfähigkeit entzieht Holz der Hand bei Berührung nur wenig Wärme. In dem porösen Material geben die Atome ihre Bewegungsenergie schlecht weiter – deshalb bleibt die Wärme meiner Hand, wo sie hingehört. Bei mir.
Und Holz riecht meistens gut. Jedes Stück ist einzigartig – ganz natürlich und doch sehr besonders. Maserung, Rinde, Risse, Astlöcher: kein Stück gleicht dem anderen. Wer einmal so durch den Wald gegangen ist, schaut Bäume anders an – wie ich in Waldgang erzählt habe.
Bevor die Farbe kommt: bohren, sägen, schleifen
Die Bearbeitung von Holz, bevor es mit Acryl bemalt wird, ist immer wieder herausfordernd und spannend. Ich habe das große Glück, dass mein Ehemann im Erstberuf Tischler ist. So konnte und kann ich von ihm lernen: bohren, sägen – auch mit großen Maschinen –, schleifen (nicht schmirgeln, sagt der Tischler!), schnitzen, verleimen … Ich lernte Geduld und Genauigkeit im Umgang mit dem Werkstück Holz.
Diese Vorbereitung ist übrigens keine Liebhaberei, sondern nötig: Feines Schleifen, und eine Endbehandlung mitLeinöl sorgen dafür, dass die Acrylfarbe haftet und intensiv wirkt. Das alte Holz bringt schon Würde mit – aber erst die sorgfältige Vorbereitung und Endbehandlung lassen das Leichte darauf richtig leuchten.
Und dann geht immer wieder ein neues Fenster auf: Meine Kreativität darf sich in leuchtend strahlenden Farben auf dem bearbeiteten Werkstück ganz frei entfalten. Was diese Freude mit dem Entstehen von Kunst zu tun hat? Genau darüber habe ich in Was Freude mit Kunst zu tun hat nachgedacht.
Ein wunderbares Gefühl, mit meinen Händen aus einem natürlichen Material ein Kunstwerk zu schaffen. Kennst Du das – dieses Glück, wenn etwas unter den eigenen Händen entsteht?
Wenn Du meine Arbeiten auf Holz einmal in echt sehen möchtest oder Fragen zu einem bestimmten Werk hast, schreib mir gern. Einen ersten Eindruck von meinen aktuellen Arbeiten bekommst Du in der Übersicht meiner Werke aus 2026 – und wie Kunst und Natur bei mir zusammenfinden, zeige ich in Kunst und Natur verbinden.
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