Ich bin ein Sommerkind – im Juli geboren.
Die Frühlings- und die Sommermonate wecken meine Lebensgeister, sorgen meistens für gute Stimmung und wirken beschwingend – das ist meine Zeit!

Der Herbst dagegen war lange mein treuer, ungebetener Begleiter.
Der Herbst drückte auf meine Stimmung und ließ mich an die Vergänglichkeit des Lebens denken.
Auch der Garten verabschiedet sich – mit allem, was ich so liebe.

Doch dieses Jahr ist es irgendwie anders. Diese leuchtenden Herbsttage sind wunderbar.
Diese strahlenden Farben der Blumen – eine besondere Schönheit.
Es liegt ein Zauber in der herbstlichen Luft.
Ein Zauber, der mich ruhiger werden lässt.

Abschied – JA. Loslassen – auch JA. Aber aus der Ruhe und Beschaulichkeit der Herbststimmung kommt leise die Ahnung von Veränderung, von Wachstum.
Platz für was Neues schaffen. So wie ich es beim Malen erlebe – das Holz erzählt mir ja auch von Vergangenem, und gerade darin liegt die Würde, auf der das Neue leuchten kann.
Der Garten macht es mir vor: Er lässt los, ganz ohne Drama.
Und manchmal denke ich, er lächelt dabei.

In diesem Jahr erlebe ich ein kindliches Staunen über die reiche Fülle der Natur.
Ich werde ruhig und halte inne. Ich blicke voller Dankbarkeit zurück auf das Jahr.
Ich schaue hoffnungsvoll und voller Vertrauen nach vorne.
Es darf etwas stiller werden – so wie ich es schon in meiner Auszeit geübt habe.

Und das Schönste: Diese positive Wendung ist nicht nur Poesie, sie ist auch plausibel. Denn zur Stimmungsaufhellung ist nicht zwingend praller Sonnenschein nötig – schon ein halbstündiger Aufenthalt draußen kann spürbar auf den Hormonhaushalt und das psychische Gleichgewicht wirken. Ein trüber Herbst ist also kein unausweichliches Schicksal. Raus in den Garten, raus in den Wald – auch bei grauem Himmel,
mit offenem Blick statt mit Wehmut im Nacken.

Vielleicht ist das mein neues Herbst-Rezept – hinausgehen, staunen, loslassen. Und wenn der Garten sich verabschiedet, dann verabschiede ich mich mit – für eine Weile.
Er kommt ja wieder. Ich auch.

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