Ihr kennt sie, diese Sprüche – eine Stunde auf das Meer schauen ist Kraftfutter für die Seele. Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur (stand immer in meinem Poesiealbum). Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Glücklich sein ist eine Entscheidung … Manche dieser sogenannten Lebensweisheiten finde ich tatsächlich gar nicht so schlecht. Aber mal ehrlich: Was bringen sie?

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensweisheiten lösen keine Probleme – aber sie können im richtigen Moment einen Perspektivwechsel anstoßen.
  • Der Sonnenuhr-Spruch ist ein echtes deutsches Sprichwort, abgeleitet von der lateinischen Sonnenuhren-Inschrift „Horas non numero nisi serenas“.
  • „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ stammt nachweislich von Erich Kästner (1899–1974).
  • Entscheidend ist nicht, wie viele kluge Sprüche wir kennen, sondern ob wir bereit sind, sie mit Leben zu füllen.

Lebensweisheiten – schöne Sätze, die sich leicht lesen

Sind es nicht oft einfach Ratschläge? Gut gemeinte Tipps? Schöne Sätze, die sich leicht lesen?

Helfen sie wirklich weiter, wenn das Leben gerade schwer ist? Wenn Sorgen drücken, eine Krise alles auf den Kopf stellt oder man sich nur noch erschöpft fühlt?

Ich glaube, eine Lebensweisheit verändert noch nichts. Sie nimmt uns keine Entscheidung ab, löst keinen Konflikt und heilt keinen Schmerz.

Und trotzdem können diese Sätze etwas bewirken.

Sie können einen kleinen Anstoß geben. Einen Perspektivwechsel anstoßen. Ein Gedanke, der genau im richtigen Moment hängen bleibt. Einer, der uns innehalten lässt und uns daran erinnert, dass wir immer wieder die Möglichkeit haben, unseren Blickwinkel zu ändern. So ähnlich, wie ich es beim Waldgang erlebe – oder wenn ich mir bewusst eine Auszeit schenke. Da braucht es manchmal nur einen kleinen Moment. Und plötzlich sieht alles anders aus.

Woher kommen diese Sprüche eigentlich?

Ich habe mal nachgeschaut. Und siehe da – die Herkunft dieser Weisheiten ist bunter, als man denkt.

Die Sonnenuhr aus dem Poesiealbum

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit’ren Stunden nur“ – der Klassiker aus meinem Poesiealbum. Kein Dichter hat ihn geschrieben, er gilt als deutsches Sprichwort. Dahinter steckt sogar Latein: „Horas non numero nisi serenas“ – „Ich zähle nur die heiteren Stunden“, eine alte Inschrift auf Sonnenuhren. Und ich war offenbar nicht allein: Diesen Spruch bekam wohl jedes Mädchen einer bestimmten Generation mindestens einmal ins Poesiealbum geschrieben. In einer Hitliste der Poesiealbum-Sprüche wäre er sicherlich weit oben zu finden.

Kästner hatte recht – und einen Namen

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – der stammt wirklich von Erich Kästner (1899–1974), dem Schriftsteller, den viele von „Emil und die Detektive“ kennen. Der Satz ist sogar Titel eines seiner Sammelbände. Ein Satz wie ein Arbeitsauftrag. Ich mag das.

Meer und Glück – von Unbekannt

Und der Spruch mit dem Meer als Kraftfutter für die Seele? Kein Urheber zu finden. Solche Meer-Seele-Sprüche kursieren in Sammlungen fast durchweg als „Unbekannt“ – typische Postkarten-Weisheiten. Genau wie „Glücklich sein ist eine Entscheidung“. Von irgendwem. Für irgendwen. Vielleicht ja genau für dich, genau heute.

Wie können uns Lebensweisheiten wirklich weiterbringen?

Es geht  letztlich  nicht darum, möglichst viele kluge Sprüche zu kennen. Es geht darum, was wir daraus machen. Ob wir bereit sind, sie mit Leben zu füllen.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Lebensweisheit: Nicht jeder Satz passt zu jedem Menschen, und nicht jede Erkenntnis kommt zur richtigen Zeit. Aber manchmal begegnet uns ein Gedanke genau dann, wenn wir ihn brauchen – und plötzlich wird aus einem einfachen Spruch etwas, das uns wirklich weiterhilft.

Bei mir sind es oft gar keine Worte. Manchmal ist es ein Stück altes Holz, das mich anschaut und mir mehr erzählt als jedes Zitat – davon habe ich in Was das Holz mir erzählt geschrieben. Das Holz hat Zeit gehabt. Ich darf mir auch welche nehmen.

Wie ist das bei euch? Gibt es eine Lebensweisheit, die euch schon einmal durch eine schwierige Zeit getragen hat? Oder denkt ihr, dass solche Sprüche oft nur gut klingen, aber wenig verändern?

Wenn du magst, schreib mir deine Lieblingsweisheit – oder schau vorbei, wenn ich meinen Garten und meine kleine Galerie öffne. Warum ich überhaupt hier schreibe und ins Gespräch kommen möchte, erzähle ich in Warum ich jetzt hier schreibe.

Häufige Fragen

Was sind Lebensweisheiten?

Lebensweisheiten sind kurze, einprägsame Sätze mit einer Erfahrung oder Erkenntnis über das Leben – mal Sprichwort, mal Autorenzitat, mal anonymer Postkarten-Spruch. Sie lösen keine Probleme, können aber einen Perspektivwechsel anstoßen.

Stammt der Sonnenuhr-Spruch aus dem Poesiealbum von einem bestimmten Autor?

Nein. „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur“ gilt als deutsches Sprichwort und ist von der lateinischen Sonnenuhren-Inschrift „Horas non numero nisi serenas“ abgeleitet – „Ich zähle nur die heiteren Stunden“.

Hat Erich Kästner wirklich gesagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“?

Ja. Der Satz stammt von Erich Kästner (1899–1974) und ist sogar Titel eines Sammelbands mit seinen Texten.

Können Lebensweisheiten in schweren Zeiten helfen?

Sie nehmen keine Entscheidung ab und heilen keinen Schmerz. Aber ein Gedanke, der im richtigen Moment kommt, kann zum Innehalten einladen und den Blickwinkel verändern – und manchmal ist genau das der erste kleine Schritt.

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